Ungewöhnliche Bahnbekanntschaften
Mai 12, 2008Muttertag bin ich, wie es sich für einen braven Sohn gehört zu Mama gefahren, mit dem Zug. Kaum war ich am Dortmunder Hauptbahnhof angekommen, wurde ich in der Raucherecke auch gleich auf ne Kippe angeschnorrt. Auf englisch und von einem nicht verlottert aussehenden Typen, also hat er auch eine gekriegt.
Daraufhin kamen wir dann auch gleich ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass der Mann eigentlich aus Spanien kommt - zumindest gebürtig. Die letzte Zeit hat er in Italien, bei seiner Freundin gewohnt, jetzt wohl Exfreundin. Deshalb wollte er sich auf den Weg nach Kopenhagen machen, wo er schon einmal ein paar Monate gelebt hat und dort auch Freunde hat. Um sein Ziel kostengünstig zu erreichen, hat er eine LKW-Fuhre Erdbeeren aus Italien nach Amsterdam bringen sollen.
Warum saß der Typ jetzt aber in Dortmund und wartete auf den Zug nach Hamm? Die Karre ist ihm verreckt, kurz hinter der niederländischen Grenze. Dort hat er dann seine Lieferung quasi übergeben und in Enschede erstmal die Nacht in einem dort stehenden Zug verbracht. Er meinte, es sei ganz schön kalt hier
Ansichtssache, aber wenn man die Temperaturen aus dem Mittelmeerraum gewohnt ist, hat er wohl recht.
Und nun saß er also in Dortmund, mit so einer komischen Broschüre der Bahn, aus der er versuchte heraus zu bekommen, wie er denn nun nach Kopenhagen kommen könnte. Da das Geld nicht ganz so reichlich vorhanden ist, schieden die Verbindungen mit ICE aus und er wollte das alles per Regionalbahnen erledigen.
Hamm fanden er erstmal eine gute Idee, weil er keine Lust mehr hatte, noch länger in Dortmund zu bleiben. Mittlerweile haben wir uns dann auch vorgestellt, er hieß Alfredo und hatte sich kein Ticket für den Weg nach Hamm gekauft. Da meinte ich dann zu ihm, ich kann ihn bis kurz vor Hamm auf mein Ticket mitnehmen, so könne er schon mal etwas entspannter Reisen. Das Angebot hat er dann auch gleich mal angenommen
Im Zug waren glücklicherweise so NRW-Schienenpläne. So konnten wir schon mal ein ganzes Stück seiner weiteren Reise planen. Wir befanden die Route von Hamm aus über Münster, nach Rheine und dann weiter Richtung Bremen. Das spannende war eigentlich, dass er noch am gleichen tag in Kopenhagen ankommen wollte und um das noch besser zu machen, auf jeden Fall den Zug und nicht die Fähre dorthin nehmen wollte. Nicht wissend, wann der Zug überhaupt fuhr.
Mich würde ja schon interessieren, ob er es noch geschafft hat, sein Ziel zu erreichen. Auf jeden Fall ein ordentlicher Stunt, den er sich da vorgenommen hat.
Verfasst von recke