Werbung am Hauptbahnhof

Ich habe ja nichts gegen wohltätige Organisationen und Spendensammlern. So lange das Geld da ankommt, womit geworben wird, soll mir das egal sein, aber manchmal ist die Werbung doch sehr bescheiden.

Die Kinder Not Hilfe setzt auch Werbung ein, doch manche sollte vielleicht noch mal überdacht werden. Es gibt eine Werbeaktion von dem Verein, die provozieren soll, aber fragwürdig eingesetzt wird. Vielleicht kennt ja jemand diese Sprüche, die auf großen Plakatwänden am Haupbahnhof und Umgebung hängen:

…, aber Sie haben da einen Brunnen am Ohr hängen.

…, aber ihr Sparschwein hat gerade eine Krankenschwester verschlückt

…, aber Sie haben sich gerade mit Schulbüchern eingecremt.

Die Sprüche gibt es noch in beliebiger weiterer Form. Doch die Kinder Not Hilfe sollte mal dringend über die Platzierung dieser Werbeplakate nachdenken! Die Nordstadt in Dortmund ist nun wirklich nicht das Viertel der gut Betuchten! Wenn da jemand Schmuck hat, wird es in den meisten Fällen Modeschmuck und Geldtechnisch uninteressant sein. Falls da mal jemand was in sein Sparschwein packen kann, dann hat er wahrscheinlich lange für gearbeitet. Vor allem wenn Kinder das lesen, sollen die ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie den 5€ Schein von Opa stolz ins Schweinchen gepackt und nicht sofort für Süßes rausgehauen haben? Und zu den Cremes fühle ich mich schon fast persönlich angesprochen. Ja ich benutzte Creme, sogar teure, wo mir die Bezahlung teilweise abgenommen wird, weil ich sonst nämlich ein Wrack wäre, was mein körperlichen Zustand anbetrifft. Soviel zu den Sprüchen, die ich hier zitieren konnte.

Agressive Werbung schön und gut, aber man sollte immer bedenken, wo sie platziert wurde und was sie aussagt. Einem finanziell schwach gestellten Menschen noch ein schlechtes Gewissen einreden finde ich dabei nicht ok. Warum hängt die Werbung nicht neben dem Casino, oder im Villenviertel? Da wären die Unterstellung von Geldverschwendung doch eher angebracht.

Diese Plakate direkt gegenüber vom Arbeitsamt aufzuhängen ist nun wirklich das Allerletzte.

4 Antworten zu “Werbung am Hauptbahnhof”

  1. Katja Korf, Kindernothilfe sagt:

    Hallo!

    Ja, unsere Plakatkampagne soll Denkanstöße geben. Aber: Wir wollen sicher niemandem ein schlechtes Gewissen machen oder Geldverschwendung unterstellen. Weder dem Dortmunder an der Hohensyburg noch dem Nordstädter vom Borsigplatz. Die absurden Slogans zeigen das - denken wir jedenfalls.

    Es geht darum, einen Anlass zum Nachdenken zu liefern: Was können sich Menschen in Deutschland und anderen Industriestaaten leisten, wie leben Menschen im Gegensatz dazu in ärmeren Ländern? Wir glauben, dass sich das Nachdenken über solche Fragen lohnt.

    Wo die Plakate wann hängen, kann die Kindernothilfe übrigens nicht beeinflussen. Wir sind dabei angewiesen auf die Unterstützung von Unternehmen und können uns nur so eine solche Kampagne leisten. Das bedeutet: Wir können nicht gezielt sagen, wo die plakte hänen sollen.

    Zu den Kosten der Kampagne: Dank der Unterstützung zahlreicher Unternehmen sind die Ausgaben vergleichweise niedrig. Wir müssen Öffentlichkeitsarbeit und Werbung machen, um Unterstützung für die Arbeit mit Kindern in aller Welt zu bekommen. 85 Cent eines gespendeten Euros fließen in die Projektarbeit. Die transparente Berichterstattung über unsere Etats hat übrigens die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften PricewaterhouseCoopers mit dem Transparenzpries 2007 ausgezeichnet.

    Viele Grüße aus Duisburg!

  2. Dorothe Ohm sagt:

    Guten Tag,

    selten habe ich eine derartig schlecht gemachte Werbung erlebt. Gesehen habe ich die Großflächen schon öfter und konnte doch nicht ausmachen, wer der Absender dieser Botschaft ist. Sollte nicht eine Großfläche sofort eine klare Botschaft ‘rüberbringen und vor allem auch den Absender deutlich machen. Erst nachdem ich den Satz, den ich mir gemerkt habe, gegoogelt habe, stoße ich jetzt auf Ihre Seite.

    Schade, sicher gut gemeint, aber nicht jeder macht sich die Mühe zu hinterfragen wer mir da was sagen will. Viel Geld und Resourcen werden hier verschwendet. Manchmal ist weniger Ideenreichtum der Kreativen mehr…
    Klare Botschaften und vor allem die großformatige Nennung des Absenders könnten da mehr bewirken.

  3. recke sagt:

    Nur um das mal ganz kurz klar zu stellen: Diese Seite steht in keiner Verbindung zur Kindernothilfe. Der erste Kommentar stammt anscheinend nur von einer Mitarbeiterin der Kindernothilfe.
    Nicht das sich hier nachher noch mehr Leute über die Werbung beschweren, die ich gar nicht verzapft habe.
    Aber kommentieren dürft ihr natürlich trotzdem alle - positiv oder negativ, das ist mir gleich. Hier herrscht weitestgehend Meinungsfreiheit ;-)

  4. brandenburgerin sagt:

    und die kindernothilfe hat auch “gute” werbung. also solche, wo ich mir sage, so sollte ein spendenaufruf einer kinderorganisation aussehen.

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